Leben an Bord

Ein Großsegler ist etwas grundsätzlich anderes als eine Yacht, aber auch etwas völlig anderes als ein Passagierdampfer. Es ist ein Schiff aus Stahl oder Holz, das nach professionellen Regeln gebaut wurde, gewartet, geführt und beaufsichtigt (See- Berufsgenossenschaft & „Schiffs- TÜV“) wird. Die Führung liegt bei echten Kapitänen. Es gibt eine richtige Küche. Ein Generator sorgt bei Bedarf für Starkstrom.

Die Sanitäreinrichtungen sind verglichen mit Yachten große Klasse. Das Essen kommt nicht von einem Gasköcherlein in einer Pantry. Alles wird in einer anständigen Küche frisch zubereitet. Auf einem Windjammer schläft man deutlich bequemer. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Unterbringung ähnelt dem Standard einer Jugendherberge.

Beim Hessischen Lloyd gibt es keine Bordkasse wie auf Yachten. Wer gebucht und bezahlt hat, wird besegelt, bekocht, bekommt Essen und Trinken und muss sich um die Kosten von Einkauf, Diesel und Hafengebühr keine Gedanken machen - ganz anders als bei Yacht- Charter- Reisen.

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Ruhe an DeckLasst mich in Ruhe

 

Der Hessische Lloyd fährt ausschließlich auf Großseglern mit richtigen Kojen. Hängematten kommen nicht in die Tüte. So eine Koje ist zwischen 175 und 200 Zentimetern lang und etwa 80 Zentimeter breit. Es gibt eine Leselampe. Das klingt noch nach einem halbwegs gängigen Bett. Wenn nicht die Höhe wäre: Nach oben sind regelmäßig nur etwa 80 Zentimeter Luft. Es gilt also, sich durch geschickte Wälztechniken hinein und heraus zu begeben. Wenn es eine höher gelegene Koje ist, kombiniert mit Zerr-, Zwäng- und Klettermethoden. Vorsicht: Wer unter ernster Klaustrophobie leidet, wird in Kabinen von Großseglern Probleme haben. Wer nachts öfter aufstehen muss oder nicht besonders behände ist, sagt das bei der Anmeldung und bekommt eine geeignete Schlafstatt.

Wer Windjammer segelt, kann kein schlechter Mensch sein. Gleichwohl: Der Lademeister hält für Teilnehmer*innen Sagrotan und Einmaltücher bereit, mit denen am Anfang die Koje ringsum ausgewischt werden kann.

 

Plaudern, Plappern, Kaffee trinkenPlauder, Plappern, Kaffee trinken: in der Messe, dem Wohnzimmer des Schiffs

 

Der Innenausbau von Windjammern besteht aus Stahl und Holz. Die Kabinen sind mit Holzvertäfelungen oft hübsch, aber regelmäßig eng. Neben den Kojen gibt es Schränke, Kleiderhaken und Fächer in jeder denkbaren Ritze und unter den unteren Kojen. Klug ist, nur einen Teil der Klamotten auszupacken und einiges im Seesack oder Rucksack zu lassen, der in eine Ecke gestellt wird. Es werden nicht alle Kojen belegt, so dass in manchen Kabinen zusätzlicher Platz fürs Gepäck ist. Persönliche Sachen, Kulturbeutel und Bücher finden zwischen Matratze und Bordwand Platz; das Hafen- Outfit bleibt zwischen Matratze und Unterbau sauber und fast faltenfrei.

Eine Liste für persönliches Gepäck ist hier: Anmeldung/ pers. Gepäck

 

Reinlichkeit ist eine Zier

Wenn ein paar Dutzend Menschen auf engem Raum zusammenleben, entsteht Dreck. Auf See weniger als an Land. Gleichwohl: Kaffeereste, verschüttetes Bier, verkrümelte Torte machen das Deck schmierig und locken Viehzeugs. Also wird das Deck regelmäßig mit der Feuerspritze gewässert und sodann geschrubbt.

Die Zeiten, als man seinen Dreck hemmungslos außenbords warf, sind zum Glück vorbei. Verboten ist es sowieso. Müll wird an Deck in Säcken – ordentlich getrennt – gesammelt und in jedem Hafen sogleich entsorgt. Rauchen ist an Deck auf windabgewandter Seite („Lee“) möglich, freilich nicht während Segelmanövern. Unter Deck darf keinesfalls geraucht oder sonst was mit offener Flamme gemacht werden.

Dort arbeitet täglich der Schiffsjunge: Flure und Gemeinschaftsräume saugen und kehren, Küche, Waschbecken, Sanitärräume und Toiletten nach einem Hygieneplan Tag für Tag reinigen. Der Hessische Lloyd ist großzügig mit ökologisch einwandfreien Putzmitteln. Damit es nicht zu bösen Verwechselungen und Bakterienherden kommt, werden Putzlappen nach einmaligem Gebrauch entsorgt.

Feudel
Der Schiffsjunge hat sein Werk vollrichtet

Strickleitern zu den Masten („Wanten“ und „Webeleinen“) sind mit schwarzer Farbe imprägniert. Die färben super ab! Auch bei Ankermanövern kann Schmodder Flügel bekommen: Vom Meeresgrund kommt dies und jenes mit hoch. Schließlich grüßen im Maschinenraum und an Winden Abschmiernippel. Sprich: Wer Wache hat und sich für die etwas kernigeren Tätigkeiten interessiert, sollte nicht seinen adretten Maritim- Dress in blau- weiß anziehen. Gutsitzende Arbeitshandschuhe helfen („Gardena“ Gartenhandschuhe aus dem Baumarkt sind ein heißer Tipp).

Das Klischee ist schon hübsch: Sonne, Palmen, Baccardi, Kokosnüsse, Badekleidung, warmes Meer – Windjammern in der Südsee. Alles schön & gut, aber sehr mühsam zu erreichen. Was sind schon Karibik und Indischer Ozean gegen die dänische Inselwelt? Fahrten durch Sunde entlang von Weiden, Schären mit Seehunden, traumhaften Reedersvillen und hübschen Ferienhäusern – nur hie und da unterbrochen von praktischen Windparks. Pittoreske Häfen. Aber auch die navigatorischen Hürden. Sie erfordern regelmäßige Manöver, weil man sonst an eine Insel rumst. Und dann wieder hohe See.

In Kontinentaleuropa herrscht auf zivilen Segelschiffen das „Du“. Quer über alle Alters- und sonstige Schichten spricht man und frau sich selbstverständlich mit Vornamen und „Du“ an. Gleichwohl werden gängige Anstandsregeln hochgehalten. Das ist gerade bei der Nähe, die auf einem Schiff entsteht, wichtig. Natürlich liegt man mal in der Sonne. Aber mackerhaftes Mit- bloßem- Oberkörper- Stolzieren ist verpönt. Auf Wache ist Arbeitskleidung völlig in Ordnung, ansonsten Freizeitkleidung. Selbstverständlich gibt es keine rassistischen, chauvinistischen und sexistischen Sprüche.