Leben an Bord

handfeste Segelromantik


Kompass


Ein Windjammer ist etwas grundsätzlich anderes als eine Yacht. Es ist ein Schiff aus Stahl, das nach professionellen Regeln gebaut wurde, gewartet und beaufsichtigt (See- Berufsgenossenschaft) und geführt wird. Die Führung liegt bei echten Kapitänen.

 

Segelschiff Amphitrite unter Segeln

 

Es gibt eine richtige Küche. Ein Generator sorgt bei Bedarf für Starkstrom. Es gibt keine Plumpsklos mit Handpumpen, sondern vernünftige Toiletten. Es gibt Duschen mit ausreichend Frischwasservorräten. Freilich gleicht das Niveau der Kabinen und der Kojen einer Jugendherberge. Die Sicherheitsausrüstung ist aktuell und gut dimensioniert. Rauchen ist an Deck auf windabgewandter Seite („Lee“) möglich, freilich nicht während Segelmanövern. Unter Deck darf keinesfalls geraucht oder sonstwas mit offenem Licht gemacht werden.


Sonnenuntergang am Meer

Umgangsformen

 

Es wird Rücksicht genommen beim Hessischen Lloyd. Wer nicht in der Takelage herum klettern will, der muss das nicht tun. Wer es ausprobieren will, wird Meter für Meter angeleitet – und natürlich angeleint. Und wer da oben mitspielen will, der darf auf die Rahen, die Segel zu bedienen – immer und nur mit Sicherheitsgurt.

In Kontinentaleuropa herrscht auf zivilen Segelschiffen das „Du“. Quer über alle Alters- und sonstige Schichten spricht man und frau sich selbstverständlich mit Vornamen und „Du“ an.

 

Weinbar an Deck

 

Gleichwohl werden gängige Anstandsregeln hochgehalten. Das ist gerade bei der Nähe, die auf einem Schiff entsteht, wichtig. Natürlich liegt man mal in der Sonne. Aber mackerhaftes Mit- bloßem- Oberkörper- Stolzieren ist verpönt. Auf Wache ist Arbeitskleidung völlig in Ordnung, ansonsten Freizeitkleidung. Zum Essen erscheint niemand mit Plastik- Raschel- Trainingsanzug. Selbstverständlich gibt es keine rassistischen, chauvinistischen und sexistischen Sprüche.

 

Kabinen & Kojen

 

Der Hessische Lloyd chartert ausschließlich Windjammer mit richtigen Kojen. Hängematten kommen nicht in die Tüte. So eine Koje ist zwischen 175 und 200 Zentimetern lang und etwa 80 Zentimeter breit. Es gibt eine Leselampe. Das klingt noch nach einem halbwegs gängigen Bett. Wenn nicht die Höhe wäre: Nach oben ist regelmäßig nur etwa 80 Zentimeter Luft. Es gilt also, sich durch geschickte Wälztechniken hinein und heraus zu begeben. Wenn es eine höher gelegene Koje ist, kombiniert mit Zerr-, Zwäng- und Klettermethoden. Wer unter ernster Klaustrophobie leidet, wird in Kabinen von Windjammern Probleme haben.

 

Kabinen

 

Zwei Kojen übereinander sind die Norm; es werden aber auch gern mal drei Kojen an einer Wand befestigt. Wer nachts öfter aufstehen muss oder nicht besonders behände ist, sagt das bei der Anmeldung und bekommt eine geeignete Schlafstatt.

Der Innenausbau von Windjammern besteht aus Stahl und Holz. Die Kabinen sind mit Holzvertäfelungen oft sehr hübsch, aber auch regelmäßig eng. Pro Kabine gibt es üblicherweise zwischen zwei und sechs Kojen. Dazu kommen Schränke, Kleiderhaken und Fächer in jeder denkbaren Ritze und unter den untersten Kojen. Um es offen zu schreiben: Das Wohnen im Windjammer erinnert eher an eine Jugendherberge von einst als ans heimische Haus.

Klug ist, nur einen Teil der Klamotten auszupacken und einiges im Seesack oder Rucksack zu lassen, der in eine Ecke gestellt wird. Persönliche Sachen, Kulturbeutel und Bücher finden in der Ritze zwischen Matratze und Bordwand Platz; das Hafen- Outfit bleibt zwischen Matratze und Unterbau sauber und fast faltenfrei.

 

Schlafen an Deck

 

Romantiker und –innen schlafen bei gutem Wetter gern mal an Deck. Die Segel, der Sternenhimmel, das Meeresrauschen sind herrlich für Menschen, die sich ein sicheres und trockenes Plätzchen ausgepolstert haben. Wer mit dem Gedanken an Kojenflucht spielt, sollte einen Schlafsack mitnehmen.

 

Reinlichkeit ist eine Zier

 

Wenn ein paar Dutzend Menschen auf engem Raum zusammen leben, entsteht Dreck. Auf See freilich viel weniger als an Land.

Gleichwohl: Kaffeereste, verschüttetes Bier, verkrümelte Torte machen das Deck schmierig und locken Viehzeugs. Also wird das Deck wird regelmäßig mit der Feuerspritze gewässert und sodann geschrubbt.

 

Deck schrubben

 

Unter Deck werden Flure und Gemeinschaftsräume täglich gesaugt und gekehrt, Sanitärräume und Küche nach einem Hygieneplan Tag für Tag gereinigt. Das erledigen täglich umlaufend zwei Leute aus dem Kreis der MitseglerInnen („Keramik- Dienst“).  Der Hessische Lloyd ist großzügig mit Putzmitteln - die freilich ökologischen Ansprüchen genügen – denn das Wischwasser fließt ins Meer. Damit es nicht zu bösen Verwechselungen und Bakterienherden kommt, werden Putzlappen nach einmaligem Gebrauch entsorgt. 

Die Zeiten, als man seinen Dreck hemmungslos außenbords warf, sind zum Glück vorbei. Verboten ist es sowieso. Müll wird an Deck in Säcken – ordentlich getrennt – gesammelt und in jedem Hafen sogleich entsorgt.

 

Ordnungswahn

 

Wer Windjammer segelt, kann kein schlechter Mensch sein. Gleichwohl: Lademeister Andreas hält für TeilnehmerInnen Sagrotan und Einmaltücher bereit, mit denen am Anfang die Koje ringsum ausgewischt werden kann.

Strickleitern zu den Masten („Wanten“ und „Webeleinen“) sind mit färbender schwarzer Farbe imprägniert. Wenn geankert wurde, kommt dies und das vom Meeresgrund mit hoch. Im Maschinenraum und an Winden grüßen Abschmiernippel. Sprich: Wer Wache hat und sich für die etwas kernigeren Tätigkeiten interessiert, sollte nicht seinen guten Yacht- Dress in weiß- blau anziehen. Einfache Arbeitshandschuhe aus dem Baumarkt helfen; Handwaschpaste steht an Bord bereit.

 

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